Kochen an sich ist eine Beschäftigung, der ich gerne nachgehe. Kulinarische Experimente und neue Rezepte schrecken mich nicht ab. Gasherde schon. Wusstet ihr, dass es eine kleine Stichflamme gibt, wenn Milch auf einem Gasherd überkocht? – Ich nicht, aber ich hab es (unabsichtlich) getestet. Auch die schnelle Erhitzung auf dem Kochfeld ist eine Umgewöhnung. Gourmet-Freunde von mir schwören auf das Kochen mit Gasherd, doch ich brauche wahrscheinlich das kommende Jahr, um mich mit diesem Gerät anzufreunden.

Ein weiterer Punkt, der gerade anfangs enorm viel Konzentration erforderte, ist der sichere Umgang mit Lebensmitteln. Alles in der Küche sollte nach der Regel: wash it – peal it, cook it- behandelt werden. Auf den Lebensmitteln befinden sich Keime und Bakterien, die neben Bauchschmerzen weitere unangenehme Wirkungen auslösen können. Auch den großartigen Luxus Wasser aus dem Wasserhahn trinken zu können, kennen die Menschen hier nicht. Deshalb ist morgens die erste Routine einen Topf Wasser aufzusetzen, um das „was uns töten will, zu töten“ (;

Weitere Gewohnheiten, die sich in meiner kleinen fränkisch-schwäbisch-bolivianischen WG sehr bald eingependelt haben, sind die Frühstücksroutinen: das eben erwähnte Wasser wird i.d.R. zu einer kleinen Kanne Kaffee (ohne die ich nicht wirklich funktioniere) und einer Kanne Tee weiterverarbeitet. Das Nationalgetränk in Bolivien ist Coca-Tee. Dieser Aufguss aus den Blättern des Coca-Strauches schmeckt ein bisschen wie (fader) Grüntee. Er soll helfen die Nebenwirkungen der Höhe (und somit der dünnen Luft hier) besser wegzustecken. Ja Coca-Blätter können zur Droge Kokain weiterverarbeitet werden. Dazu bedarf es chemischer Prozesse. Nein, Coca-Tee macht weder high noch abhängig! Die Packung Coca-Blätter, die momentan in meinem Küchenschrank auf ihren Einsatz wartet, war ein Willkommensgeschenk einer freundlichen älteren Dame aus der Pfarrgemeinde, die betonte, wie gut der Tee bei Kopfschmerzen und Erschöpfung hilft.

Ein weiteres Frühstücks-must-have bei mir ist derzeit Porridge. Haferflocken, Wasser, Zimt und Milchpulver. Milchprodukte sind hier vergleichsweise teuer und sich die Milch mit „polvo de leche“ selbst anzurühren eine geldbeutelschonende und praktische Alternative. In den Frühstücksbrei wandern normalerweise auch noch Äpfel und Bananen, welche immer vorrätig sind.

Obst und Gemüse können in den kleinen Lädchen um die Ecke besorgt werden, oder natürlich auf den größeren Märkten in Quillacollo oder Cochabamba. An Auswahl mangelt es auf jeden Fall nicht! Was mich sehr begeistert sind die Früchte hier. Highlights bisher waren Papayas, Bananen und Ananas. Die Süße der hier heimischen Leckereien ist kein Vergleich zum Geschmack der Früchte in Deutschland. Es wird noch eine Weile dauern, bis ich alle Variationen an Obstsalat durchgemixt habe, die ich mir noch vorgenommen habe zu machen!

Mittags esse ich normalerweise immer in der Arbeit mit. Das hier zubereitete Essen enthält immer eine Menge unterschiedlicher Arten Gemüse. Kohlenhydrate wechseln sich ab zwischen Reis, Nudeln und hier heimischen Getreidearten wie bspw. Quinoa.

Kartoffeln befinden sich in jedem Gericht, aber das ist eine bolivianische Eigenheit: Kein Gericht ohne Kartoffel!

Mir persönlich ist die Küche zu fleischlastig. Bei keinem Gericht auf der Arbeit, darf die Fleischzugabe fehlen. Ich verstehe, dass in der hiesigen Kultur das Fleisch einen hohen Stellenwert hat und die Leiterin der Einrichtung ihren Schützlingen damit natürlich etwas Gutes tun will. Meiner persönlichen Haltung und den Empfehlungen der WHO entspricht dies jedoch nicht. Solange es sich vermeiden lässt, esse ich fleischfrei. Bei den angebotenen Suppen achte ich darauf eine Portion ohne Suppenfleisch zu bekommen, da ich denke für mich nun ein komplett eigenes Gericht zu kochen ist zu aufwendig. Da ich neugierig auf die Kultur hier bin und auch die Kochkultur Boliviens kennenlernen möchte, werde ich nicht das komplette Jahr auf Fleisch verzichten und typische Gerichte testen, auch wenn sie Fleisch enthalten. Für mich selbst werde ich nach wie vor kein Fleisch kaufen und den Verzehr vermeiden, wenn es nichts neues für mich ist . Doch gerade bei Einladungen ist hier Fingerspitzengefühl gefragt, da die Gastgeber*innen es als Beleidigung auffassen können, wenn man das „Beste“ am Gericht verschmäht.

Ein weiterer besonderer Punkt sind die Getränke hier. Bei bisher allen Einladungen waren die Getränke eher durstauslösend als durstlöschend. „Viel hilft viel“ ist hier die Devise, wenn es um die Dosierung von Zucker in Getränken geht. Eine Ausnahme gab es, als wir der Gastgeberin den Krug mit Zitronenwasser abluxen konnten, bevor sie das typische halbe Kilo Zucker darin versenken konnte – Kaum zu glauben wie lecker simples Zitronenwasser sein kann (:

Ziemlich bald nach Feierabend stellt sich täglich die Frage „Was kochen wir heute??“ – Meist zeigt ein Blick in den Kühlschrank, dass es etwas mit Gemüse sein wird. Ab und An begnügen wir uns auch mit einer Brotzeit, die jedoch leider ohne Schwarzbrot auskommen muss. Das Brot hier ist eher vergleichbar mit blonden Semmeln und das was sich hier Vollkorn schimpft ist auch nicht vergleichbar mit dem heimischen Verständnis von Vollkorn 😀

Eines meiner neuen Lieblingssüßigkeiten ist Dulce de Leche. Schade, dass ich das nicht schon früher kennen lernte! Der Übersetzungsdienst Leo beschreibt es als „in Lateinamerika verbreitete Milchkonfitüre, die vor allem als Brotaufstrich verwendet wird“ (https://dict.leo.org/spanisch-deutsch/Dulce). „Milchkonfitüre“- wie gut klingt das denn bitte?! Im Prinzip ist es cremiges Karamell, welches man ohne schlechtes Gewissen einfach auf diese hellen Semmeln schmiert. Zucker pur mit weißem Brödla. Ein Traum für jede*n Diätassistent*in 😀 Da mir meine Klamotten nach einem Jahr Dulce-Diät wahrscheinlich eh nicht mehr passen, werde ich einen Koffer voll Dulce de Leche importieren (;

Über die Menschen in Cochabamba gibt es ein Sprichwort: Sie essen nicht, um zu leben. Sie leben, um zu essen! Vermutlich wird noch einiges mehr über Essen auf diesem Blog erscheinen. Ich rühr mir jetzt erstmal eine Milch an und schmier mir ein Milchkonfitüre-Brödla. N´Guten!